Adventskalender 14. Dezember – Gewinnspiel mit Hindernissen

Zu Weihnachten schossen die Gewinnspiele wie Pilze aus dem Boden. Jeder Laden schien auf einmal etwas zu verschenken zu haben.
Er machte auch fleißig überall mit, wenn ihm der Gewinn zusagte. Leider hatte er noch nie Glück gehabt.
Seit letztem Jahr musste man immer bestätigen, kein Roboter zu sein und irgendwelche Verkehrsschilder oder Autos anklicken. Diese Felder hatte er immer ganz schnell angeklickt, möglicherweise zu schnell, denn seit einigen Tagen saß er mitunter zehn Minuten vor dem Bildschirm und klcikte sich durch Verkehrsschilder, Busse, Ampeln und Autos. Manchmal war vom gesuchten Gegenstand nichts abgebildet und wenn er auf fertig klickte, wurde es als Fehler angesehen.
Er war kein Roboter, aber dieses Programm mochte ihn nicht. Einmal hatte er ganz langsam die richtigen Felder angeklickt und hervorgehoben, aber selbst das hatte nichts genutzt. Durch zwanzig Bilder hatte er sich klicken müssen, nach immer neuen Sachen Ausschau halten müssen. Am liebsten hätte er es einfach sein lassen.
Bezweckten das die Supermarktketten? Indem sie ein relativ harmloses Program in die Länge zogen, gaben die meisten auf und hakten das Gewinnspiel ab. War das so? Man könnte es denken.
Er würde sich von den Weihnachtsgewinnspielen nicht abbringen lassen und wenn er dazu einen halben Tag vor dem Computer saß, weil diese Roboter-Überprüfungsprogramme einen nicht akzeptieren wollten. Irgendwann musste er doch mal etwas gewinnen, Weihnachten stand vor der Tür.
(Helen Hoffmann)

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Adventskalender 13. Dezember – Schulbasar

Heute war wieder der schlimmste Tag des Jahres. Vor diesem Datum graute ihr immer, obwohl es Jahr für Jahr wechselte – Schulbasar.
Jedes Jahr musste sie am Kuchenstand stehen und verschiedene Torten und Kuchen verkaufen. Wie sie diese dämliche Aufgabe verabscheute. Als stellvertretende Vorsitzende des Schulvereins wurde genau das von ihr erwartet. Die Einnahmen aus dem Kuchenverkauf kamen dem Schulverein zugute, deshalb musste ein Mitglied hinter dem Verkaufsstand stehen. Warum musste sie das gerade sein? Es war entsetzlich bei anderen Honneurs machen zu müssen oder Smalltalk zu halten. Das konnte wirklich jemand anderes übernehmen. Warum ließ sie sich jedes Mal breitschlagen, diese unliebsame Aufgabe zu übernehmen? Weil sie das Verkaufen von Tombola-Losen noch blöder fand.
So oft würde sie es auch nicht mehr machen müssen. Zwei Mal noch und Fabian hätte sein Abitur in der Tasche. Dann konnte jemand anderes den Leuten Kuchen andrehen und sie vollquatschen.
An Tanjas Schule übernahmen diese Aufgaben die Schüler, aber hier zog man es vor, die Unselbständigkeit der Schüler zu fördern. Ein Glück, dass ihre Tochter sich für ein anderes Gymnasium entschieden hatte. Dort war nächste Woche Weihnachtsbasar und sie hatte sich verpflichtet, beim Abbau zu helfen. Erwachsene wurden dann doch gebraucht – bei den unangenehmen Aufgaben. Es war etwas, das schnell erledigt war und bei dem sie keinen Smalltalk halten musste.
Aufgepasst, der Schulleiter näherte sich. Das war ein Sabbelpott, der sich am liebsten selbst reden hörte. Dann musste sie wenigstens nichts sagen, hatte auch seinen Vorteil.
(Helen Hoffmann)

Adventskalender 12. Dezember – Wie das Eisen den Magneten

Es gab Dinge, die brauchte man einfach nicht. Dazu zählten Samtkugeln. Wer hatte sich die nur ausgedacht?
Erst hatte es überall Glaskugeln gegeben, dass man kaum noch Kugeln aus Plastik bekam, und jetzt waren Samtkugeln angesagt. Es ging von einem extrem ins andere. Edel mochten die Samtkugeln aussehen und wenn sie zu Boden fielen, zersprangen sie nicht gleich in ihre Einzelteile. Allerdings hatten sie einen großen Nachteil: An ihnen blieb der Staub haften und ließ sich erst mit einer Fusselbürste entfernen. Man konnte doch nicht täglich alle Kugeln abhängen und sie vom Staub befreien. Das war völliger Quatsch und lohnte sich nicht, denn kaum fertig, konnte man die Prozedur erneut wiederholen.
Putzwütige würden an den Samtkugeln verzweifeln. Warum dachten sich die Dekoexperten nur immer Sachen aus, die Arbeit machten? Für Kronleuchter gab es inzwischen ein Spray mit dem man die einzelnen Kristalle ansprühte und schon tropfte der ganze Dreck ab. Allerdings musste man alles darunter sorgfältig mit Plastikplanen, Zeitungspapier und Küchenkrepp abdecken, um nichts zu ruinieren. Das konnte einem bei Samtkugeln nicht passieren. Fusselbürsten richteten keinen Schaden an Möbeln oder Parkett an, außer man ließ sie aus großer Höhe fallen. Dann konnte eine unschöne Macke entstehen, die man kompliziert unkenntlich machen musste.
Samtkugeln waren die blödeste Idee seit der Erfindung der Solartaschenlampe für die Nacht. Konnte man auch nicht gebrauchen.
Jetzt lag der Karton mit zwölf Samtkugeln herum. Natürlich mussten die an den Baum. Ein Geschenk verschmähte man nicht und sei es noch so blöd.
Am besten kamen die staubanziehenden Kugeln erst an Heiligabend an den Baum. Das würde die tägliche Putzerei ersparen.
(Helen Hoffmann)

Adventskalender 11. Dezember – Schlittenfahrt

Vergnügt rannte Darjeeling über die Anlage. Seine Betreuer ermahnten in, bei dem Schneetreiben langsamer zu sein, aber er liebte es über den glitschigen Boden zu schlittern. Was sollte da passieren?
Schließlich legte er sich in den Schnee und wälzte sich im kühlen Nass. Wie war das herrlich!
Als er aufstand und sich schüttelte, sah er Hilde, die ihre Beine, eins nach dem anderen, streckte. Was machte die alte Kuh? Hatte sie Gelenkreißen wie Gisela?
„Guck nicht so dämlich, Darjeeling, ich bereite mich auf meine Schlittenfahrt vor“, riss Hilde ihn aus seinen Gedanken.
„Du bist nicht der Weihnachtsmann.“
„Den gibt es auch gar nicht.“
„Was?“, sagte der Stoßzahnpieker entsetzt. „Wer bringt uns dann die Geschenke?“
„Unsere Betreuer, du Dummerchen. Wer denn sonst?“
„Deshalb tragen sie an Heiligabend die roten Zipfelmützen mit Plüsch.“
„Genau“, sagte die alte Elefantin, obwohl das nichts miteinander zu tun hatte. Warum sie die Weihnachtsmützen aufsetzten, hatte sie noch nicht herausgefunden.
„Wieso willst du Schlitten fahren? Niemand kann dich ziehen, weil du so schwer bist.“
„Willst du behaupten, ich sei dick? Ich bin nur wohlgenährt!“, empörte sich Hilde. „Ich werde nicht gezogen, sondern soll den Schlitten ziehen.“
„Du?“, sagte Darjeeling und prüstete los. „Kriegst du dann ein Geweih auf den Kopf gesetzt, damit du Ähnlichkeit mit einem Rentier hast?“
„Sei nicht albern. Die Kinder wissen, wie ein Elefant aussieht. Später werden sie ihren Enkeln erzählen, dass sie in einem Schlitten gesessen haben, den die berühmte Hilde gezogen hat, die man jetzt im Naturkundemuseum bewundern könne.“
Eigentlich war die dicke Hilde gar nicht, aber bloß nichts sagen, sonst gab es einen Tritt in den Hintern.
„Du kannst gar keinen Schlitten ziehen.“
„Pah, in deinem Alter habe ich nicht solche Flausen im Kopf gehabt wie du, sondern habe brav gemacht, was man mir gezeigt hat. Ich war immer gut erzogen.“
„Bloß bei Gisela hast du deine gute Erziehung vergessen.“
„Diehat genommen, was mir zustand. Jetzt troll dich, ich muss mit meinen Dehnübungen weitermachen.“
„Kann ich mich nicht in den Schlitten setzen und du ziehst ihn?“, fragte der junge Elefantenbulle.
„Der ist für Zweibeiner-Pupsködel und nicht für Elefanten, die noch grün hinter den Ohren sind. Du brauchst bei deinem Gewicht einen Spezialschlitten.“
„Ich bin doch nicht Rupa. Die ist verfressen.“
„Und hat keinen Respekt vor den anderen, ich weiß. Wenn du ein Seil findest, zieh‘ ich dich über die Anlage.“
„Du bist meine Lieblingstante, das sag ich auch immer meiner Mutter“, sagte Darjeeling und lief davon, um nach einem Seil zu suchen.
Den wäre sie erst einmal los. Bis der Stoßzahnpieker ein Seil gefunden hatte, wäre der Schnee längst geschmolzen.
(Helen Hoffmann)

Adventskalender 10. Dezember – Die Unendlichkeit der Papierschlange

Wo war denn seine Zeitung abgeblieben? Er hatte sie in seinen Sessel gelegt, als er kurz das Wohnzimmer verlassen hatte. Jetzt war sie weg.
„Hat jemand von euch die Zeitung genommen?“, fragte er.
„Ist sie weg?“, rief seine Frau.
„Warum sollte ich sonst fragen?“, brummelte er vor sich hin. Es gab Antworten, die waren so überflüssig wie Hämorriden.
Er sah sich im Wohnzimmer um, konnte den Kurier nirgends entdecken. Seltsamerweise waren auch alle anderen Zeitungen verschwunden.
Hatte seine Frau wieder der Aufräumfimmel geplagt und sie hatte alles in die Papiertonne geworfen, ohne aufs Datum zu achten? Manchmal übertrieb sie wirklich mit ihrem Reinlichkeitsfimmel. Das man auch nie seine Sachen für einen kurzen Augenblick aus den Augen lassen konnte. Es war zum verrückt werden.
Verärgert verließ er das Wohnzimmer und wollte in der Küche im Papiermülleimer nachsehen, als er auf etwas trat. Er hob seinen Fuß an und hätte ihn beim Absetzen beinahe auf etwas anderes gestellt.
Was war das?
Er hob das plattgetretene Objekt auf und hatte eine ganze Papierkette in der Hand. Auf einen Papierring war er getreten, der mit einem anderen verbunden war, das unendlich so weiterging.
Waren das Zeitungsartikel? Tatsächlich, die Papierringe waren aus Zeitungen gefertigt. War das etwa die von heute?
Er hob die Papierkette an und sah, dass sie in die Küche führte. Während er in den Raum stürzte, sammelte er die Kette ein, die bald seinen ganzen Arm ausfüllte.
„Opa, hast du meine Girlande gesehen?“, fragte ein kleines Mädchen und sah von seiner Arbeit auf.
„Die ist lang genug“, sagte er und ließ den Papierhaufen auf den Tisch fallen.
Was machte Amalie da für sinnloses Zeug? Wieso konnte sie sich nicht mit Puppen oder Autos beschäftigen, wie jedes vierjährige Mädchen? Immer tanztesie aus der Reihe.
„Wo hast du denn die Zeitungen her, aus denen du die Papierstreifen machst?“, wollte er wissen.
„Aus dem Wohnzimmer“, sagte Amalie ungerührt und nahm die Schere in die Hand, um eine weitere Zeitungsseite in Streifen zu schneiden.
War das die Ausgabe von heute? Das wollte er noch lesen.
„Halt, nicht so schnell, junge Dame“, sagte er und zog ihr die Zeitungsseiteaus der Hand. „Du kannst nicht alles zu Basteln benutzen.“
„Wieso nicht?“
Immer diese Gegenfragen. Konnte sein Sohn das nicht Amalie abgewöhnen? Geduld! Nur mit Geduld kam man ans Ziel.
„Siehst du, das ist die Ausgabe von heute dabei und die habe ich noch nicht gelesen. Opa wäre sehr traurig, wenn du die zerschneiden würdest.“
Wie sich das anhörte, als würde er mit einem Idioten sprechen. Für seine Zeitung war ihm nichts zu schade. Dafür tat er alles.
„Oh!“, sagte Amalie überrascht und war sprachlos.
„Ich seh mir mal die Zeitungen an.“
Die Seite, die er gerade vor der Vernichtung gerettet hatte, war von heute. Oje, oje, er ahnte Böses, das sich leider bestätigte. Ein Viertel der Zeitung war bereits der Schere zum Opfer gefallen und lag in Papierstreifen fein säuberlich auf dem Tisch. Ausgerechnet der Wirtschaftsteil. Wie sollte er den jetzt lesen? Die ganzen Streifen müsste er zusammenpuzzeln.
„Inge, keinen Durchzug“, rief er und nahm seiner Enkelin die Schere aus der Hand, bevor sie damit noch mehr Unheil anrichtete.
„Du beschäftigst dich jetzt mit etwas anderem.“
Er hoffte, Amalie würde jetzt keinen weiteren Schaden anrichten würde, aber man konnte nie sicher sein.
(Helen Hoffmann)

Neue Wege muss man gehen

Seit Sommer habe ich Beobachtungen gemacht, bei denen ich mich fragte, warum es so ist. Die Verkäufe meiner ebooks sanken ab. Ich verstand den Grund nicht, dachte, es würde an mir liegen. Aber ich bin nicht die einzige, die mit diesem Problem zu kämpfen hat. Denn wie ich vor wenigen Tagen erfuhr, hat Facebook vor einiger Zeit seinen Algorithmus geändert. An sich nichts Besonderes, denn das tut Facebook öfters und auch Instagram und andere SocialMedia-Kanäle haben das getan. Die neueste Änderung ist allerdings gravierend, denn sie bedeutet, dass man mit einer Seite kaum noch wahrgenommen wird. Warum? Facebook will Geld verdienen, sprich: Sie wollen Werbeanzeigen verkaufen. Wenn ich das allerdings nicht nutze, muss ich damit leben, von Facebook ins Nirwana geschickt zu werden.
Es ist jetzt nicht so, dass ich allein auf Facebook vertraue, das habe ich noch nie getan. So habe ich eingerichtet, dass die Facebook-Beiträge meiner Autorenseite auch auf meinem Twitter- und meinem Tumblr-Account erscheinen. Außerdem habe ich noch eine Instagram-Seite, die ich mir momentan noch mit den anderen Autoren von GeschichtenImperium teile. Henrik Quedburg und Helen Hoffmann werden ab Anfang des nächsten Jahres eigene Accounts haben. Auf Instagram mache ich bei Challenges mit, zeige Cover meiner ebooks oder einfach mal ein Bild, das ich gemacht habe. Ich habe auch einen Google+-Account, aber ehrlich gesagt, bediene ich den überhaupt nicht. Ob ich das ändern sollte? Es heißt immer, Google+ wäre out. Allerdings ist Facebook auch nicht mehr in. Wer von sich reden machen will, der ist bei WhatsApp und bei Snapchat und natürlich bei Instagram. Letzteres habe ich auch, wie ich bereits erwähnte. Mit WhatsApp kann ich nicht viel anfangen, aber Snapchat sollte ich mal ausprobieren. Allerdings habe ich so gar keine Ahnung, wie das funktioniert. Ich weiß nur, das dort Fotos oder Videos für einen bestimmten Zeitraum zu sehen sind und sich dann selbst schreddern. Also mal sehen, ob das was für mich ist.
Diesem Blog bleibe ich weiterhin treu. Vielleicht fange ich auch mal an, ein paar Leseproben einzustellen. Das habe ich vor Ewigkeiten das letzte Mal gemacht beim Blog von GeschichtenImperium.
Ganz aufgeben werde ich Facebook nicht, denn ein paar Vorteile hat die Autorenseite, die ein persönliches Profil nicht hat. Dafür wäre ich mit einem persönlichen Profil allerdings sichtbarer als mit meiner Autorenseite. Also, ich muss mich entscheiden. Ob ich einen Kompromiss finde, der mich zufriedenstellt? Ich werde euch auf dem Laufenden halten.
(Helen Dalibor)

Adventskalender 9. Dezember – Im Gleichschritt

Überall hingen die Lichterketten auf den Grundstücken und ersetzten die normale Beleuchtung. Nur ein Haus strahltein vollkommener Dunkelheit.
Keine leuchtenden Weihnachtsmänner oder Rentiere, keine Lichterketten. Nichts Leuchtendes war montiert, nichts Strahlendes hing in den Fenstern. Wer dieses Haus sah, würde nicht auf die Idee kommen, dass bald Weihnachten wäre.
Die Nachbarn störten sich daran, hatten sie schon darauf angesprochen, aber sie hatte ihre Meinung deswegen nicht geändert. Warum musste man sein Haus mit Lichterketten und weihnachtlichen Lichtfiguren schmücken? Das trieb nur die Stromrechnung in die Höhe. Sie sah keinen Sinn darin. Man fühlte sich nicht weihnachtlicher, nur weil man alles voller Lichterketten hängte. Sie war in Weihnachtsstimmung und brauchte dafür keine kitschige Beleuchtung am Haus. Man musste nicht das mitmachen, was die Masse tat, auch wenn es der Mehrheit nicht gefiel, dass man aus der Reihe tanzte. Mochten andere im Gleichschritt marschieren, sie hatte es nicht nötig.
(Helen Hoffmann)